Gesellschaft und Ökologie

- weltweit ökologisch denken und handeln -

Gesellschaft und Ökologie - Nachrichten aus Umwelt, Naturschutz und Ökologie

Tag: Biodiesel

Verdeckte Lobbyarbeit auch bei Biosprit

Die unabhängige Initiative für Transparenz und Demokratie – Lobbycontrol berichtet über verdeckte Lobbyarbeit für den umstrittenen Biosprit.
Da über Lobbyisten und deren Netzwerke erheblicher Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse genommen wird, unterstützen wir den Appell für ein verpflichtendes Lobbyisten-Register von Lobbycontrol.

Fragwürdiger „Öko-Rennwagen“

warwick-formel-3-oeko-rennwagen
Bildquelle: University of Warwick

„Öko“ ist in. Die Supermärkte sind voll von Produken mit „Bio“-Siegel und nun soll selbst der, oft zu recht hart kritisierte, Motorsport mit dem grünen Etikett versehen werden: Britische Forscher haben ein Auto entwickelt, das in den Medien als „Öko-Rennwagen“ („WorldFirst Formula 3 Racing Car“) für Aufsehen sorgte. Der Wagen fährt mit Biodiesel und wurde teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. Recycling-Materialien hergestellt.

Aber auch ein Lenkrad aus Karottenfasern und ein Sitz aus Sojabohnenöl ändern nichts an der Tatsache, dass beim Motorsport wertvolle Rohstoffe verschwendet werden und PS-starke Autos als Ideal gefeiert werden. Auch wenn Forschungsleiter Steve Maggs von der University of Warwick betont, dass hier wichtige Forschungsergebnisse erzielt würden, beispielsweise ein Katalysator, der die Verwendung von Pflanzenöl als Schmieröl zulässt, wäre es sicher sinnvoller gewesen, solche ökologisch sinnvollen Innovationen direkt der Verbesserung marktreifer PKW zugute kommen zu lassen. Auch ohne sogenannte „Öko-Rennwagen“ wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich sparsame 3-Liter-Autos auf den Markt gebracht. Das eigentliche Problem ist jedoch die mangelnde Nachfrage. Solange schnelle Sportwagen weiterhin als ideales Auto gefeiert werden, werden Ökologie und Ökonomie beim Autokauf wohl weiterhin auf der Strecke bleiben.

Biosprit-Dilemma

Biosprit, also Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen, wurde einmal hoffnungsvoll als Lösungsansatz für den umweltfreundlichen Straßenverkehr gefeiert. Der deutsche Bundestag beschloss die Förderung biologischer Kraftstoffe, und seit 2007 muss Diesel einen Anteil an Bio-Diesel enthalten.

raps-windrad-biosprit

Raps als nachwachsende Energiequelle
© Bernd Peters / Pixelio.de

Nach der anfänglichen Begeisterung über Biosprit herrscht inzwischen weitgehend Skepsis und Kritik vor. Da der Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen nicht ausreichend durch einheimische Produkte, wie beispielsweisen Raps von deutschen Feldern, gedeckt werden kann, kommen hier verstärkt Zuckerrohr, Soja und Palmöl aus Entwicklungs- und Schwellenländern zum Einsatz.

Für die Anlage solcher Biosprit-Plantagen werden alte Regenwaldgebiete gerodet und dabei große intakte Ökosysteme unwiderbringlich zerstört. Zudem verringert der Treibstoffanbau die Ackerflläche für die Produktion von Nahrungsmittel. Dadurch steigen die Nahrungsmittelpreise und Hunger und Unterernährung werden weiter verschärft.

Der deutsche Bauernverband rief wiederholt dazu auf, die einheimische Biodiesel-Infrastruktur zu bewahren.

Ende April 2009 entscheidet der deutsche Bundestag erneut über die Beimischung von Agrosprit zu Benzin und Diesel. Umweltorganisationen wie Rettet den Regenwald e.V. fordern ein Ende der Beimischungspflicht. Auf der Suche nach Alternativen zum herkömmlichen Biosprit betrieben Fairtrade-Organisationen Pilotprojekte zur Gewinnung von Biotreibstoff aus Abfallprodukten der Nahrungsmittelproduktion.

Gesellschaft und Ökologie läuft unter Wordpress 4.9.1
Anpassung und Design: © WP-Theme - gesellschaft-fuer-oekologie.de
W3C Konform